Der Hymnus „Fröhlich lasset heut erklingen“ basiert auf Congaudentes celebremus, das zweite Lied „Maria, weine nun nicht mehr“ auf dem Gesang O Maria, noli flere. Beide Texte wurden mit Hilfe von KI* nicht wörtlich übersetzt, sondern als singbare deutsche Nachdichtungen gestaltet.
Auch theologisch setzen die Übertragungen eigene Akzente. Das in der mittelalterlichen Überlieferung verbreitete Motiv von Maria Magdalena als reuiger Sünderin oder Gefallener, das in der lateinischen Vorlage des Hymnus begegnet, wurde bewusst nicht übernommen. Es findet sich nicht in den biblischen Ostererzählungen und speist sich wesentlich aus legendarischen Identifizierungen mehrerer Personen. Stattdessen erscheint Maria Magdalena im Lied als diejenige, die dem Auferstandenen begegnet, beim Namen gerufen wird und als erste Apostolin die Osterbotschaft verkündet. Auch die abschließende Doxologie-Strophe weitet den Blick auf die Zeugenschaft für das Leben, das mit Christus selbst identifiziert wird (vgl. Joh 14,6; 11,25).
Im zweiten Lied wird zudem das johanneische Bild vom Guten Hirten aufgenommen: Der Auferstandene ruft Maria beim Namen, und sie erkennt seine Stimme. So verbindet sich die Begegnung am leeren Grab mit einem zentralen Motiv des Johannesevangeliums: Die Schafe kennen die Stimme ihres Hirten (vgl. Joh 10,4). Maria Magdalena wird damit als Hörende, Erkennende und Gesandte sichtbar – als erste Zeugin und Botin des auferstandenen Herrn.
Die beiden Lieder lassen so die biblische Gestalt der Maria Magdalena neu erklingen und schaffen zugleich eine Verbindung zwischen der reichen Tradition lateinischer Hymnen und dem heutigen liturgischen Singen.
Hymnus am Fest der hl. Maria Magdalena (22. Juli)
T: Michael Pfeifer & KI 2026 nach „Congaudentes celebremus“
M: Gilbert König um 1939 („Dieser Tag ist Christus eigen“ GL 103)
1. Fröhlich lasset heut erklingen
Magdalenas Lobgesang.
Christus schenkte ihr die Gnade,
ihn als Lebenden zu schaun.
2. Weinend sucht sie früh den Meister
an des Grabes dunklem Ort.
Sie zuerst sah den Erlöser,
der sie bei dem Namen ruft.
3. Selig bist du, Magdalena,
Apostolin unsres Herrn,
du verkündest den Geschwistern
Christi Sieg und Herrlichkeit.
4. Lob dem Vater und dem Sohne,
Lob sei Gott, dem Heilgen Geist,
der dich sandte als die Zeugin
Christi, der das Leben ist.
Lied am Fest der hl. Maria Magdalena (22. Juli)
T: Michael Pfeifer & KI 2026 nach „O Maria noli flere“
M: Johann Leisentrit 1567 („Das ist der Tag, den Gott gemacht“ GL 329)
1. Maria, weine nun nicht mehr,
der Herr, er lebt und ist verklärt.
Den du im Grab voll Trauer suchst,
ist auferweckt in Gottes Licht.
2. »Wen suchst du hier mit Tränen viel?
Wen liebt dein Herz so inniglich?«
»Man nahm den Herrn, ich weiß nun nicht,
wo seinen Leib man hingelegt.«
3. Da spricht »Maria!« nun der Herr.
»Rabbuni!« ruft sie voller Freud.
Der gute Hirte ruft sie heim;
sie kehrt sich um, erkennt den Herrn.
4. »Geh, künde meinen Brüdern nun:
dass ich wahrhaftig auferstand.«
Als erste Zeugin tritt sie auf
und spricht: »Ich hab den Herrn gesehn.«
* Zur Nutzung von KI in der Liturgie veranstaltet das Liturgiereferat am 18. 1. 2027 einen Workshop in Aschaffenburg. Nähere Infos demnächst hier, unten unter "Termine".
Weitere Heiligenlieder, auch zu Magdalena (s. 22.7.), finden sich bei bei Peter Gerloff.

