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Feierliche Palmprozession zum Dom

Bischof Dr. Franz Jung eröffnet in Würzburg die Heilige Woche – Erinnerung an Jesu Einzug in Jerusalem

Würzburg (POW) Mit der feierlichen Prozession am Palmsonntag, 2. April, hat Bischof Dr. Franz Jung in Würzburg die Heilige Woche eröffnet. Die Feier im Kiliansdom wurde live auf TV Mainfranken sowie im Internet übertragen. In seiner Predigt lenkte der Bischof den Blick besonders auf die Frau von Pontius Pilatus: „Im Blick auf das ungerechte Leiden so vieler Menschen erinnert Claudia Prokla uns daran, dass es jemanden braucht, der mitfühlt, der die Wahrheit nicht beugt und der den Mut hat, die Rechte der Entrechteten einzuklagen.“ Er ermunterte die Gläubigen, angesichts des Leidens Christi um den Freimut der Frau des Pilatus zu beten, „damit wir uns nicht sagen lassen müssen, wir hätten niemanden gewarnt und hätten nicht versucht, schlimmes Unrecht abzuwenden“.

Der Palmsonntag bildet den Auftakt der Heiligen Woche, mit dem Osterfest als Höhepunkt des Kirchenjahrs. In den Pastoralen Räumen und Pfarreiengemeinschaften des Bistums Würzburg gedachten die Gläubigen mit Prozessionen des Einzugs Jesu in Jerusalem. Vielerorts begleiteten Kindergartenkinder und die diesjährigen Kommunionkinder mit bunt geschmückten Palmbuschen die Prozessionen.

Nach der Palmweihe in der Würzburger Marienkapelle zog der Bischof mit Dompropst Weihbischof Ulrich Boom, Bischof em. Dr. Friedhelm Hofmann, Generalvikar Dr. Jürgen Vorndran, Mitgliedern des Domkapitels und zahlreichen Gläubigen zum Kiliansdom, wo er das Pontifikalamt zelebrierte. Im Gottesdienst wurde das Leiden und Sterben Jesu nach Matthäus verlesen. Die Würzburger Domsingknaben und das Bläserensemble unter der Leitung von Domkapellmeister Alexander Rüth gestalteten die Feier mit „Ruhm und Preis und Ehre sei Gott“ von Rolf Rudin, Gesängen zum Palmsonntag von Franz Schubert und der „Missa octavi toni“ von Orlando di Lasso. Domorganist Professor Stefan Schmidt spielte die Klaisorgel.

Bischof Jung ging in seiner Predigt besonders auf eine Stelle im Tagesevangelium ein, in der es heißt: „Während Pilatus auf dem Richterstuhl saß, sandte seine Frau zu ihm und ließ ihm sagen: Habe du nichts zu schaffen mit jenem Gerechten! Ich habe heute seinetwegen im Traum viel gelitten.“ Pilatus zögere zunächst unentschlossen. Seine Widersacher aber haben die drohende Gefahr längst erkannt und überreden die Menge, die Freilassung des Mörders Barabbas zu fordern, um Pilatus den letzten Trumpf aus der Hand zu schlagen und ihm den rettenden Ausweg zu verbauen.

Wie Bischof Jung weiter ausführte, sei Pontius Pilatus derart mit dem Prozessgeschehen beschäftigt, dass er nur noch denke, nichts mehr fühle. Es gehe für ihn noch darum, den eigenen Kopf aus der Schlinge zu ziehen. „Seine Frau hingegen fühlt mit dem Gerechten und leidet an dem drohenden Unrecht. Und sie fühlt mit ihrem Mann und seiner schier ausweglosen Situation.“ Die Frau des Pilatus habe den Mut, einzugreifen, um das scheinbar Unaufhaltsame aufzuhalten. Sie setze damit das um, was Dietrich Bonhoeffer angesichts der aufkommenden Diktatur der Nationalsozialisten forderte: „Es reicht nicht, die Opfer unter dem Rad zu verbinden. Man muss dem Rad selbst in die Speichen fallen.“

Der Satz „Gelitten unter Pontius Pilatus“ aus dem Glaubensbekenntnis beziehe sich auch auf dessen Frau, der die Tradition den Namen Claudia Prokla gegeben habe. „Sie steht für die vielen Menschen, die mitleiden mit dem Bösen, das andere anrichten, auch aus ihrem engsten Umfeld, und die hilflos mitzusehen müssen, dass ihnen die Situation entgleitet.“ Sie sei später Christin geworden, weil sie erlebt habe, dass Gott das Böse, das Menschen anrichten, in Segen und Heil verwandelt. „Die Frau des Pilatus steht für Mitgefühl, Wahrhaftigkeit und Mut. Im Blick auf das ungerechte Leiden so vieler Menschen erinnert Claudia Prokla uns daran, dass es jemanden braucht, der mitfühlt, der die Wahrheit nicht beugt und der den Mut hat, die Rechte der Entrechteten einzuklagen.“

Die Liturgie des Palmsonntags erinnert an den Einzug Jesu auf einem Esel in Jerusalem. Zum Zeichen seines Königtums streute ihm das Volk Palmzweige und jubelte. Da in Mittel- und Nordeuropa keine Palmen wachsen, ersetzte man diese durch Palmkätzchen oder andere Zweige. Mit gesegneten Palmkätzchenzweigen ziehen die Gläubigen zum Gotteshaus und nehmen sie nach der Messe mit nach Hause. Daheim werden sie in den sogenannten Herrgottswinkel gestellt oder am Kruzifix und an Heiligenbildern befestigt. Die Kollekte am Palmsonntag ist für das Heilige Land bestimmt.

Am Montag, 3. April, feiert Bischof Jung um 17.30 Uhr im Kiliansdom die „Missa chrismatis“, die Weihe der heiligen Öle.

mh (POW)

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