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„Christus ist uns immer nahe – auch bei verschlossenen Türen“

Bischof Dr. Franz Jung: Coronakrise eine geistliche Übung für Ostern – Nichtöffentliche Festgottesdienste im Kiliansdom

Würzburg (POW) Die Coronakrise ist nach den Worten von Bischof Dr. Franz Jung eine große geistliche Übung für Ostern. „Immer geht es darum, versöhnt Abschied nehmen zu können. Nicht an den Gräbern zu bleiben, sondern zu lernen, Bisheriges loszulassen, um neu ins Leben zurückzufinden. Das braucht Zeit.“ Christen begleite bei allem die Gewissheit, dass Gott zum Greifen nahe sei, gerade in Zeiten der Krise. „Wir können ihn nicht festhalten. Zum Glück. Denn er will uns hinausführen aus dem Tal der Tränen ins Land der Verheißung neuen Lebens. So wünsche ich uns allen von Herzen, dass jeder sein persönliches Ostern erfahren darf“, sagte der Bischof am Ostersonntag, 12. April. Christus sei den Menschen immer nahe – „auch bei verschlossenen Türen“. In der Osternacht am am Samstagabend, 11.April, betonte der Bischof: „Der Traum vom neuen Leben ist nicht ausgeträumt. Er beginnt erst jetzt. Mit uns. Hier und heute.“ Beide Gottesdienste feierte der Bischof nichtöffentlich im Würzburger Kiliansdom. Übertragen wurden die Feiern live auf TV Mainfranken sowie im Internet auf Facebook, YouTube und bei BibelTV, die Osternacht zusätzlich im Hörfunkprogramm Bayern 1 des Bayerischen Rundfunks.

In der Predigt der Osternacht zog Bischof Jung Parallelen zwischen der aktuellen Coronakrise und dem Volk Israel in der babylonischen Verbannung. „Was man einst sicher glaubte, hat sich als höchst unsicher erwiesen. Allzu sehr war man sich seiner Sache gewiss und meinte, es könne einem nichts passieren.“ Wie die Israeliten geglaubt hätten, dass Jerusalem als Gottes heilige Stadt unantastbar sei, so hätten die Menschen der Gegenwart geglaubt, globale Mobilität und lineares Wirtschaftswachstum seien gesetzte Größen. Bischof Jung sprach von einer gegenwärtigen weltweiten Karfreitagserfahrung. Die aktuelle Krise sei wie ein Weckruf, noch einmal neu darüber nachzudenken, was wirklich wichtig sei im Leben. „Das Kreuz hat viele Erscheinungsformen in diesen Tagen.“ Der Prophet Jesaja betone: Ein Neubeginn wird nur möglich, wenn das erfahrene Leid nicht einfach übersprungen wird. Heilung und Neuschöpfung werden laut Bischof Jung nur gelingen, wenn man sich der schmerzlichen Wirklichkeit ungeschminkt stellt, sie auch bewusst annimmt und die Konsequenzen daraus zieht – zum Heil und Wohl aller.

Diese Vision vom in die strahlende Schönheit Gottes verklärten Leiden könne nur gelingen, wenn die Menschen in der aktuellen Krise nicht einander anklagten, um sich der Verantwortung zu entledigen und wenn „die große Welle der Solidarität und Hilfsbereitschaft der vergangenen Wochen“ weiter anhalte und das Zusammenleben präge, sagte Bischof Jung. Dann werde die neue Gottesstadt, von der Jesaja spricht, schon jetzt ansatzweise in dieser Welt erfahrbar. „Jerusalem ist eine frohe Stadt, in der alle Tränen abgewischt werden. Jerusalem ist eine leuchtende Stadt, in der es keine Nacht mehr gibt, wenn wir mit Christus beginnen, dieses Jerusalem aufzubauen. Halleluja!“

Bei der Feier der Osternacht wurde die Osterkerze diesmal neben dem Taufbecken in der Mitte des Doms entzündet. Danach sang Diakon Dr. Martin Faatz das sogenannte Exsultet, das Lob auf die Osterkerze. Bei den Lesungen wurde an die Heilstaten Gottes seit Erschaffung der Welt erinnert. Im Zentrum der alttestamentlichen Texte stand der Durchzug durch das Rote Meer. Beim Gloria erklangen seit Gründonnerstag erstmals wieder die Glocken, und Orgelmusik setzte ein. Die neutestamentliche Lesung aus dem Römerbrief wies auf das neue Leben der Getauften durch die Auferstehung Jesu hin. Im Evangelium nach dem Halleluja-Ruf wurde die Botschaft vom leeren Grab verkündet – in diesem Jahr, wie sie der Evangelist Matthäus berichtet. Die Weihe des Taufwassers war in diesem Jahr nicht möglich. Nach der gemeinsamen Tauferneuerung wurde die Osterkerze in einer Prozession den Altarraum getragen. Am Ende des Gottesdiensts segnete der Bischof die Osterspeisen.

In der Predigt vom Ostersonntag griff der Bischof erneut das Thema „Nähe und Distanz“, das sich nach seinen Worten wie ein Leitmotiv durch die heiligen drei Tage zieht. Im Evangelium vom Ostersonntag stehe die Begegnung des auferstandenen Jesus mit Maria von Magdala im Mittelpunkt des Interesses. Während Petrus und Johannes am Ostermorgen nach dem Besuch des leeren Grabes ratlos wieder gehen, bleibt Maria von Magdala am Grab und weint. Tod bedeute endgültige Trennung, betonte der Bischof. Die weinende Maria von Magdala suche Trost durch die Nähe zum Grab. Jedem, der ihr begegne, stelle sie die gleiche Frage nach dem Verbleib des Leichnams Jesu. Die Distanz des Todes werde dadurch verschärft, dass der Tote nicht mehr aufzufinden ist. „Trauer braucht einen Ort“, sagte Bischof Jung.

Maria sei aber so in ihrer Trauer versunken, dass sie vor lauter Tränen Jesus nicht erkennen könne, der direkt vor ihr steht. Sie suche einen Jesus, den es nicht mehr gibt. Ein Blick auf die Phasen eines Trauerprozesses zeige, dass die Endgültigkeit der Trennung im Moment des Todes oft noch gar nicht erfasst werden könne. Es brauche viel Zeit zu verstehen, was passiert ist. „Verstehen heißt dann aber immer noch nicht auch wirklich begreifen.“ Und auch, wer begreife, was passiert sei, müsse das nicht auch automatisch akzeptieren. Es sei ein langer Weg, bis es einem gelinge, mit der neuen Situation klarzukommen.

Es ist nach den Worten des Bischofs eine Gnade, diese Distanz zum Leben überbrücken zu können – nichts, das man machen oder gar erzwingen könne. „Im Evangelium ist es Jesus selbst, der auferstandene Herr, der Maria bei ihrem Namen ruft.“ Aus ihrer Trauer rufe er sie ins Leben zurück. Voller Freude erkenne sie Jesus, und ihr Leben habe wieder eine Perspektive. Zugleich tue sie, was sie bereits in ihrer Trauer getan habe: „Sie will Jesus festhalten.“ Doch genauso wenig wie sich ein Mensch endgültig festhalten lasse, lasse sich auch der Auferstandene festhalten. „Leben braucht Entwicklung, und Entwicklung Freiheit. Und Freiheit braucht Vertrauen“, erklärte der Bischof. Maria von Magdala habe Jesus nur, indem sie ihn loslasse und wenn sie begreife, dass niemand ihr den auferstandenen Herrn wegnehmen könne und werde.

Das Geheimnis der Auferstehung lasse sich am ehesten beschreiben mit „bleibender Nähe in bleibender Distanz“, sagte Bischof Jung. „Der auferstandene Herr ist seiner Kirche immer nahe.“ Auch die Sakramente der Kirche seien Zusage bleibender Nähe in bleibender Distanz. „In den sichtbaren Zeichen offenbart sich der Herr seiner Kirche. Hoffnung führt uns in die Freiheit hinaus.“ Gott sei immer größer als alles, was Menschen sich vorstellten. „Das ist das Glück, aber auch die Herausforderung von Ostern“, betonte der Bischof.

Musikalisch gestaltet wurde die Osternacht von Domorganist Professor Stefan Schmidt, Domkantor Alexander Rüth sowie dem Saxofonisten Professor Hubert Winter. Beim Gottesdienst am Ostersonntag musizierte neben Domorganist Schmidt und Domkapellmeister Professor Christian Schmid die Sopranistin Anja Tschamler.

Die Osterkerze brennt den ganzen Tag im Kiliansdom. Bei der Madonna links von der Altarinsel steht eine zweite Kerze mit dem Osterlicht, an der die Gläubigen ihre Kerzen entzünden können – unter Berücksichtigung der während der Ausgangsbeschränkung gültigen Abstandsregeln.

Am Ostermontag, 13. April, wird um 10 Uhr ebenfalls ein nichtöffentlicher Gottesdienst gefeiert. Auch dieser wird live auf TV Mainfranken, Facebook, YouTube und bei BibelTV übertragen. Bei TV Mainfranken wird er zusätzlich um 19 Uhr wiederholt.

mh (POW)

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